Donnerstag, 30. März 2017

Lebensmittelverteilung in Ekwendeni // DANKE

Zuallererst möchte ich ein riesiges Dankeschön an jeden Einzelnen von euch richten, der unsere Maisaktion unterstützt hat. Sei es durch das Teilen des Beitrags, einer kleineren oder einer größeren Spende. Insgesamt sind fast 2000 Euro zusammengekommen. Das sehe ich als alles andere als selbstverständlich, das hätte ich keinesfalls erwartet!

Mit dem Geld kauften wir vergangene Woche Mais, Bohnen, Öl und Salz ein.
In unserer Kirche, St. Michaels, wurden am Sonntag dreißig Haushalte ausgewählt, die die Lebensmittelspende bekommen sollen. Darunter sind Haushalte geführt von Kindern ohne Eltern, von arbeitslosen Frauen ohne Mann, von chronisch Kranken und auch extrem armen Menschen. Auch 20 Haushalte außerhalb der Kirche wurden gewählt. Insgesamt haben somit 50 Haushalte die Lebensmittelspende empfangen.


Montag, 8 Uhr. Es ist viel los am Center, jeder möchte seine Spende abholen. Zu Beginn werden kurze Reden gehalten. Meine kaum-vorhandenen Tumbukakenntnisse überlassen mir diee freie Interpretation der Reden. Doch als auf einmal alle Blicke auf mir sind, geklatscht wird, vor mir die Frauen zum Teil auf die Knie fallen, wird klar- mir wird gedankt. Euch wird gedankt!
Wir haben eine Liste der Namen, die jeweils einen Sack Mais, einen Liter Öl, eine Tüte Salz und eine Tüte Bohnen bekommen. Die Namen werden aufgerufen. Das Öl wird aus Kanistern in die mitgebrachten Flaschen gefüllt und gemeinsam mit den anderen Lebensmitteln ohne viel Drumherum übergeben. Es wird sich noch ein weiteres Mal bedankt und anschließend der Heimweg angetreten




Nun aber noch ein kurzes Wort zum Regen – seit Ende Februar ist er endlich da. Fast jeden Tag regnet es und endlich kann der Mais wachsen. Zwar wird die Ernte nicht früh kommen und auch nicht reichlich ausfallen, doch die größten Sorgen hat wohl niemand mehr. Es geht nur darum, über die nächsten zwei Monate zu kommen. Die Zwischenzeit wird mit gekauftem Mais überwunden, den sich zwar nicht jeder leisten kann – doch dank der Spenden konnten wir einige bedürftige Haushalte unterstützen. Deshalb noch einmal ein großes Danke und liebe Grüße!

Mittwoch, 15. Februar 2017

Angst

Das Gesprächsthema Nummer Eins in Ekwendeni: Die Sache mit dem Regen, der viel zu spät gekommen ist und der Maisernte, die deshalb sehr schlecht ausfallen wird.
Hier in der Region muß fast jeder für seine Grundnahrung selbst sorgen. Das bedeutet, dass so ziemlich jede Familie sich seinen Mais selbst anbauen muss. Darum besteht auch eine extrem große Abhängigkeit von einer ausreichenden Maisernte. Der Mais wird zu Maismehl verarbeitet, aus dem später Nsima gekocht wird. Nsima, das ist Maisbrei - das Hauptnahrungsmittel der meisten Malawier, was mindestens zweimal täglich gegessen wird.
Normalerweise beginnt die Regenzeit im November, spätestens im Dezember. Mit dem Regen wird auch der Mais gepflanzt. So aber nicht dieses Jahr – während der Süden schon seit Dezember reichlich mit Regen versorgt wurde, kam der Regen hier im Norden erst Mitte Januar. Damit begann man auch, Mais zu sähen. Die ersten Regenfälle waren aber so heftig, dass die Furchen, zwischen denen später der Mais wachsen sollte, zerstört wurden. Deshalb musste die Arbeit wiederholt werden. Furchen hacken, Löcher stechen, Mais sähen. Alles ohne Maschinen.
Seitdem regnet es sehr unregelmäßig: Zwei Wochen lang kein Regen. Danach ein paar Tage Regen, ein paar Tage Hoffnung. Nun ist es schon wieder seit fast einer Woche trocken.
Dazu kommt, dass die Wachstumsperiode viel zu kurz sein wird: Im April wird der Regen aufhören. Das weiß jeder.
Jeder im Ort spricht davon und hat Angst. Angst vor einer nahenden Hungersnot. Dass die Ernte schlecht wird, dass der Mais dieses Jahr nicht ausreicht und, dass die Familie nicht versorgt werden kann. Mein Gastvater erzählt mir, dass er so etwas erst einmal in seinem Leben erlebt hat: An manchen Tagen musste er mit Hunger ins Bett, da es nicht genug Essen für die Familie gab. Die Angst ist wieder da und scheinbar größer als je zuvor.

Gemeinsam mit dem Treffpunkt Malawi e.V., der uns einen Teil seiner Spendengelder zur Verfügung stellen wird, besteht das Vorhaben, die 50 Haushalte, die am meisten gefährdet sind, mit gekauftem Mais zu unterstützen. Offensichtlich ist aber, dass nicht nur 50 Haushalte betroffen sind - genau deshalb sind wir auf jede finanzielle Unterstützung angewiesen. Ein Sack Mais, der eine 5-köpfige Familie für einen Monat ernähren kann, kostet umgerechnet circa 15 Euro. Für die meisten Malawier ist das über einen längeren Zeitraum alles andere als ein kleiner Betrag.
Gerade nach all den schönen Erlebnissen, die ich hier bis jetzt haben durfte, ist es nicht einfach, mit der großen Angst der Menschen konfrontiert zu werden. Deshalb liegt mir diese Art der "Nothilfe" sehr am Herzen und ich bitte euch, den Menschen hier zu helfen und Geld zu spenden. An knobloch.luise@gmx.de könnt ihr eine Email senden, damit ich den Kontakt zum Treffpunkt Malawi (http://www.treffpunkt-malawi.de) herstellen kann, der dann die Spenden zweckgebunden einsetzt. Gern könnt ihr euch auch direkt an den Treffpunkt Malawi unter dem Stichwort "Mais für Ekwendeni" wenden.
Jeden noch so kleinen Betrag werde ich direkt weiterleiten. Ich werde mein Bestes tun, euch auf dem Laufenden zu halten. Danke!

zu dieser Zeit muesste der Mais mannshoch sein!



Freitag, 3. Februar 2017

Centre-Geschehnisse, Botschaftsfeier, ein wenig Unglück und was sonst so geschah

Bevor der trubelige mit-Charlotte-unterwegssein-und-Zwischenseminar-in-Tansania-Februar so richtig losgeht, gibt es hier ein kurzes Update. Was mir dieses Jahr bisher so gebracht hat!

20-22/01 Botschaftsfeier, Bücherkauf & Pechsträhne
Schon beim Lesen der Einladung zur Neujahrsfeier des deutschen Botschafters machte mein Herz einen kleinen Sprung. Als ich dann gemeinsam mit meinen Mitfreiwilligen in der Residenz des Botschafters in Lilongwe aufkreuzte, war die Freude nicht mehr zu bändigen! Diesmal mussten wir nicht helfen und konnten uns voll und ganz auf die Köstlichkeiten konzentrieren: Dass Appetizer wie Sushi, Feta-Spieße und Hühnchen mit Erdnusssoße noch übertroffen werden können, hatte niemand erwartet. Doch als das Buffett mit dem deutschesten aller deutschen Essen wie Spätzle, Schnitzel und Rotkraut eröffnet wurde, wurden wir eines besseren belehrt. Wir schaufelten das Essen in uns hinein. Jedem wurde klar, dass man deutsches Essen noch nie so sehr wertgeschätzt hatte. Und dass Essen ja doch so sehr glücklich macht! Nach unzähligen Stücken Brownies und Karottenkuchen hatte aber doch jeder genug. Weniger schön war deshalb die Rückfahrt nach Biwi. Zu neunt (und dazu vollgefressen!) in einem kleinen Taxi- „Squeeze,Madam!“ ist auch hier das Motto. Irgendwie kommt man aber immer an sein Ziel, und in diesem Fall eben schön billig. Der Gedanken an das gute Essen ließ einem den fehlenden Komfort und das sich langsam-steigernde Schlechtwerden schon fast vergessen.
Glück!

der Essenshimmel

zuschlagen! ein Brownie nach dem Anderen

Samstagmorgen kamen auch Stuart und Ausmane nach Lilongwe. Dank einer großen Spende konnten wir einen Drucker und viele neue Bücher für unsere Bücherei einkaufen. So tourten wir durch verschiedene Technik- und Buchläden. Besonders viel Freude hatten wir in einem Secondhand-Buchladen, den Marius vor einiger Zeit entdeckt hatte. Die Bücher kosten zum Teil weniger als einen Euro, maximal drei Euro. Dazu kommt eine riesige Auswahl! Die Kartons wurden randvoll gepackt und im Bus zurück nach Ekwendeni gefahren, wo die Bücher nur noch geordnet und beschriftet werden müssen.
Baobab Bookshop

Arbeit in der Bücherei

Leider war das Heimkehren dieses Mal alles andere als schön. Beim Öffnen meiner Zimmertür musste ich feststellen, dass unser Hund Bruno seinen Weg in mein Zimmer gefunden hatte und der Meinung war, randalieren zu müssen. Mein Stuhl lag kaputt auf dem Boden, daneben Klamotten und Papiere. Das Moskitonetz war mehr Loch als Netz und mein Bettlaken auch alles andere als sauber. Ich dachte, es kann nicht mehr schlimmer kommen, bis mir meine Gastschwestern erzählen, dass Luna tot ist. Luna war ein Welpe, den ich eine Woche früher vom See mitgebracht hatte. Sie war noch so klein, so tapsig aber ist gleichzeitig glücklich durch unser Haus gehüpft. Bis unser Hund Bruno sie tötete und, wie mir berichtet wurde, gegessen hat. Den Anblick von Lunas totem „Körper“ habe ich mir leider auch noch angesehen, da er von meiner Familie zunächst auf unserem Toilettenhäuschen liegengelassen wurde. Den Anblick werde ich so schnell nicht vergessen können und hoffe, dass die kleine Luna nicht lange leiden musste und dass es ihr jetzt, wo auch immer sie ist, gut geht .. Man muss sich damit abfinden – den Instinkt eines Tieres kann man zwar nicht verstehen, muss man aber irgendwie akzeptieren.
Luna.. ♥

Das Pech wollte so ganz aber noch nicht aufhören- es folgte bald eine Nacht voll Fieber und Malariaangst, was sich zum Glück bald in Luft auflöste und mir nur für einige Tage meine Stimme klaute (was nebenbei gesagt aber auch die reinste psychische Folter war!)

31/01 Toolkit-Vergabe
Die meisten der Schüler, die bei uns am Centre zum Schneider/ zum Schreiner ausgebildet werden, bleiben danach arbeitslos. Es fehlt am nötigen Geld, um ein Geschäft zu starten. Deshalb bekommen von jetzt an je zehn Schüler pro Abschlussjahrgang ein sogenanntes Toolkit oder Starterpack. Dieses besteht für die Schneider unter anderem aus einer Nähmaschine und einem Nähmaschinentisch, für die Schneider aus verschiedenen Werkzeugen. Die Schüler verpflichten sich, das Ganze in monatlichen Raten zurückzuzahlen. Deshalb wurden erst einmal die alten Schülerverzeichnisse herausgeholt, da natürlich auch die Schüler, die bereits einen Abschluss haben, nicht vergessen werden dürften. Schüler wurden von den Lehrern nominiert. Gemeinsam mit einigen Vorstandsmitgliedern wurden sie interviewt – wie sie denn momentan um die Runden kommen, ob sie schon Praktika gemacht haben und und und. Einige Tage nach den Interviews fand die Vergabe der Toolkits statt:
Das Ganze war recht groß aufgezogen. Wieder waren einige Vorstandsmitglieder vor Ort, jeweils ein Elternteil der Schüler und sogar der Chief! Zunächst wurden mehrere Reden gehalten. Auch ich musste eine Rede halten, was mir leider erst fünf Minuten davor mitgeteilt wurde. Vor dem recht großen Publikum war mir das nicht wirklich geheuer, weil ich auch nicht wusste, was von mir erwartet wird. Klappte aber viel besser als gedacht!. Die einzelnen Schüler wurden mit Elternteil nach vorn gerufen und unterschrieben eine Art Vertrag, auf der auch der Manager, der Vorstandsvorsitzende, ich (um die Spender zu repräsentieren), ein Polizist und der Chief unterschrieben. Die Nähmaschinen wurden natürlich gleich ausgetestet, die Freude war groß. Während der Zeremonie waren auch alle aktuellen Schüler anwesend. Für sie ist es natürlich sehr motivierend, die Chance auf ein Starterpack zu haben – denn nur die zehn Schüler, die am härtesten arbeiten und den Unterricht ernst nehmen, bekommen das Toolkit. Besonders in den folgenden Tagen war es sehr auffällig, dass die Schüler viel zielstrebiger und motivierter arbeiteten. Also auch von dieser Seite betrachtet ein purer Erfolg!
Beginn der Toolkitvergabe

eine der Schülerinnen mit ihrer Mutter

Schreinerschüler mit seiner Mutter



Schnickschnack
  • Die Welt ist ein Dorf. Wirklich. Am vergangenen Freitag war ich auf einer Farewellparty in Mzuzu. Dort traf ich einen jungen Mann, kam mit ihm ins Gespräch. Er sei der neue deutsche Bäcker in Mzuzu - ein wenig außerhalb gibt es eine deutsche Bäckerei, alle 3 Monate kommt ein neuer Deutscher dorthin, um Malawier auszubilden. Viel wichtiger aber: er kommt wie ich aus Pirna … Ich bin schon ein wenig durchgedreht und konnte das Ganze einfach nicht glauben. Er wohnt in Pirna einen Kilometer von mir entfernt, und dann trifft man sich einfach so auf einer Party irgendwo in Südostafrika. Eigentlich ja zu verrückt um wahr zu sein..
  • Family Update. Momentan sind wir zu fünft bei uns Zuhause: Meine Gasteltern Stuart und Dorothy. Eine der Zwillingsschwestern, Ellen, und der Sohn meines Gastbruders, Sean. Sean ist eineinhalb Jahre alt und weiß sehr gut, wie er uns auf Trab halten kann. Alles, was er findet, trägt er durch das Haus, schmeißt er herunter oder probiert, Musik damit zu machen. Er genießt es, unsere Katzen und Hunde am Schwanz durch das Haus zu ziehen und zu probieren, in den Kühlschrank zu klettern. Abends kann zwar der Fernseher laufen- doch Sean zu beobachten garantiert viel mehr Unterhaltung.
    Lieblingsbeschäftigung#1:Zimmer erkunden
    #2: Tiere.

  • Seifenblasenspaß in der Nursery, Bilder sagen hier mehr als Worte!


  • Vorfreude bis zum gehtnichtmehr. In zwei Tagen habe ich meine Lieblingsschwester wieder! Wir werden zusammen durch Malawi reisen und am Ende ein paar Tage in Ekwendeni verbringen. Ich freue mich so sehr auf das Wiedersehen, gemeinsames Nsima-Essen und im See schwimmen gehen! Danach ist schon Halbzeit.. Kaum zu glauben! Es geht zum Zwischenseminar nach Moshi, Tansania. Auf die weite Reise freue ich mich zwar weniger, doch das Seminar wird bestimmt wunderbar.

Donnerstag, 12. Januar 2017

"Dezember"

Oder auch: Der wohl unüblichste, heißeste und undezemberigste Dezember meines Lebens.
Der erste term ist schon vorbei. Ich kann es nicht oft genug sagen, die Zeit rennt! Geendet hat das Trimester mit dem Schreiben der Tests. Enttäuschend wenige Schüler haben daran teilgenommen. Wobei aber die, die da waren, überraschend gut abgeschlossen haben. Was mit denen passiert, die geschwänzt haben? Dafür probieren wir momentan noch, die beste Lösung zu finden. Doch nach der letzten Arbeit im Fach Computer gingen für die Schüler und auch für mich die langersehnten Weihnachtsferien los! Beinahe drei Wochen war ich unterwegs. Drei anstrengende, aber auch erlebnisreiche Wochen.

Los gingen die Ferien für mich mit einem Ausflug nach Lilongwe- Claras und Jaspers Geburtstage mussten gefeiert wurden. Einem deformierten Fertigkuchen aus Deutschland folgte eine lange Nacht. Der nächste Tag brachte Essenshighlights wie Pizza und selbstgemachte Falafel und vieleviele Freundebucheinträge!
eine wahre Delikatesse, obwohl nur noch der Geschmack an Kuchen erinnert
sundays..
das Highlight: der neue 2000-Kwacha-Schein (doch selbst er ist kaum etwas wert..)

Doch dann ging es schon wieder zurück in den Norden, wo wir einen Zwischenstopp in Ekwendeni zum Schlafen einlegten. Mit 4 weiteren Leuten war es schon recht kuschelig im Haus, doch nach einem halben Jahr in Malawi habe ich jegliche Platzängste beiseitegelegt-  "Squeeze, Madame!" ist hier das Motto.

Am nächsten Tag stiegen wir in den Minibus nach Chilumba - die Fahrt ist jedes Mal aufs Neue wieder schön. Man fährt über einen Berg, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf den See hat! Außerdem sieht man Affen, die direkt auf der Straße sitzen und oft auch neben dem Minibus mitrennen, um vielleicht Essensreste abzubekommen. In Chilumba gab es recht bald Abendessen. Alle 3 Minuten kam aus einer anderen Ecke ein Schrei - der Grund war das Auftauchen einer Riesenspinne! Man muss dazu sagen, dass vor dem Haus auf dem Boden gegessen haben. Da kann es schon passieren, dass drei Zentimeter neben dir eine Spinne entlanghuscht. Das Highlight (oder eher Lowlight) war ein Skorpion auf der Toilette, der zum Glück bald nicht mehr weiterleben durfte. Irgendwann starteten wir den Versuch, zu schlafen.. Daran war lange nicht zu denken, es war zu schwül und heiß - gefühlt immernoch 40 Grad! Selbst Lars und Jasper aus Salima, wo es noch heißer sein soll, kamen an ihre Grenzen. Die Dusche am Morgen war dann doch recht himmlisch und wir freuten uns, aus der Hitzehölle Chilumba zu entkommen!


      Die Reise führte uns ins nahegelegene Livingstonia. Da wir nicht früh genug gebucht hatten, konnten wir uns die Lodge nicht aussuchen und fanden auch keine freien Betten mehr vor. Also verbrachten wir die erste Nacht im Lukwe Camp. Stellte sich als eine sehr idyllische, ruhige Lodge heraus. Wir kamen zur Ruhe, besuchten den Lukwe-Garten und gingen in den nahegelegenen Wasserfällen schwimmen. Die zweite Nacht verbrachten wir dann doch in der Mushroomfarm (Erinnerungen an den Ausflug mit Sandra!). Eigentlich ebenso ausgebucht, aber auf dem Parkplatz campen durften wir immerhin. Mit Clara aber entdeckte ich dann ein Baumhaus, dass aufgrund von Sturm momentan nicht vermietet wird - zur halben Seite ist es offen, man blickt über die Berge zum See. Die spontane Idee, dort mit unseren Isomatten einzuziehen, setzten wir um. Somit verbrachten wir zwar eine ungemütliche Nacht mit einem viel zu kleinen Moskitonetz. Wenn man dann aber frühmorgens mit einem atemberaubenden Blick aufwacht, spürt man die Rückenschmerzen und Mückenstiche überhaupt nicht mehr. Ich wäre immer wieder bereit zu einer Baumhausnacht wie dieser!

Lukwe
Lukwe
Lukwe-Garden
und endlich wissen alle, wie Ananas eigentlich wachsen
Ausflug zu den Wasserfällen
erfrischen
Baumhausnacht

Blick aus dem Baumhaus

Von Livingstonia aus führte uns die Reise an den See nach Nkhata Bay. Dort verbrachten wir mehrere Tage, an denen wir wirklich mal nichts tun konnten außer essen, schwimmen, spielen und vergeblich auf die Weihnachtsstimmung warten. Diese kam leider trotz Feliz Navidad und Last Christmas in Dauerschleife kaum auf. An Heiligabend stand eine Runde Schrottwichteln an, was sich als ein großer Spaß herausstellte! Das Weihnachtsbuffett ließen wir uns nicht entgehen. Danach löffelten wir eine flüssige Tafel Schokolade, während wir dabei selbst vor Hitze verschmolzen. Wir gingen tanzen, um Weihnachten, uns und unsere Zeit in Malawi angemessen zu feiern. Einmalig war unser Weihnachten am Strand also definitiv, weihnachtlich wohl eher gar nicht.



das Zelt steht jedenfalls gut!

Silvester wollten wir in Cape Maclear im Süden Malawis verbringen. Die Fahrt dahin war sehr weit und anstrengend, weshalb wir auch einen Zwischenstopp bei Lars und Jasper in Salima einlegten. In Cape Maclear trafen wir auf viele weitere Freiwillige. Gemeinsam machten wir eine Bootstour zur nahegelegenen Insel, wo wir schnorchelten. Auf der Insel wurde sogar für uns gegrillt! Es ging weiter zum Otterpoint, an dem wir Fischadler beobachteten. Der letzte Stopp war eine andere kleine Insel, an der wir weiter schnorcheln konnten und die Fischvielfalt hautnah erleben durften! Den Silvesterabend starteten wir am Strand sitzen mit Dinner for One (die Tradition darf nicht fehlen). Bunt tanzten wir mit vielenvielen anderen Menschen ins neue Jahr! Freunde aus Ekwendeni kamen zu Besuch, wir saßen am Strand bis die Sonne das erste Mal im Jahr 2017 aufging. Im Hellen führte uns ein Neujahrsspaziergang zurück zur Lodge - plötzlich war alles schon wach, doch wir legten uns in schlafen.



bisschen fischen
Silvester
Neujahrsmorgen


Einen Tag später musste ich schon wieder nach Hause fahren (ein Tag lang Minibus, juhu), da der Unterricht schon am 03. Januar losgehen sollte. Die Freude auf die Reise war zwar riesig, doch heimkehren ist mindestens genauso schön..

Warum ich Weihnachten nicht Zuhause verbracht habe: hier wird Weihnachten keine große Bedeutung zugesprochen. Die gesamte Adventzeit wird nicht so zelebriert, wie wir es kennen. Am 25.12. geht man lediglich in die Kirche, es gibt zur Feier des Tages Reis. Vielleicht wird sogar ein Huhn geschlachtet! Danach ist der ganze Zauber schon wieder vergessen. Meine Familie hat mir empfohlen, lieber etwas mit Freunden zu unternehmen. Zuhause hätte ich mich scheinbar nur gelangweilt. Auch, wenn ich gern typisch malawische Weihnachten erlebt hätte- durch meine Mitfreiwilligen war das nun doch vorhandene Vermissen zur Weihnachtszeit ein wenig kleiner. 

Mittwoch, 7. Dezember 2016

100 days - Farewell, Aidswaisenprojekt und unterwegs-sein

Mehr als drei Monate bin ich schon hier in Malawi und alles ist so schön gewohnt, so schön normal. Sonntagabends unter dem Sternenhimmel Mangomarmelade kochen. Der Kartoffelverkäufer, dem ich jede Woche ein kleines Glas davon schenke. Der dann vor Freude in die Luft springt und mir später von seinen Plänen erzählt, als Flüchtling nach Deutschland auszuwandern. Da gibt es auch noch das Mädchen aus der Grundschule, die mich Zuhause besucht und fragt, ob wir Freundinnen sein wollen. Sie schenkt mir ein Armband aus Perlen, ich knüpfe ihr ein Freundschaftsbändchen.  Von da an besucht sie mich gelegentlich im Büro und setzt sich schüchtern neben mich. Wir tauschen ein Grinsen aus und ich glaube, jetzt sind wir wirklich Freunde.
Wenn dann mal ein freier Nachmittag ansteht, schwinge ich mich seit einigen Wochen auf mein Fahrrad. Mein Ziel ist die God Knows Nursery, die am anderen Ende von Ekwendeni liegt. Die Kinder umringen mich schon und rufen Luisa,Luisa,Luisa bevor mein Fahrrad steht. Wir singen, spielen, sehen uns Bücher an und lernen die englischen Wörter für Farben. Alles scheint blau zu sein.
Aber auch neben meinem Alltag, der sich immer weiter verfestigt, war im vergangenen Monat so einiges los.

06/11 gescheitertes Bergsteigen & Girls Brigade
Angefangen mit dem Versuch, gemeinsam mit Sonja aus den Niederlanden einen der Berge bei Ekwendeni zu besteigen. Vorher waren wir im englischen Gottesdienst, den ich mittlerweile immer besuche, wenn ich in Ekwendeni bin. Daher versuchten wir unser Glück in offenen Schuhen und Kleid. Zeit fürs Umziehen wollten wir uns nicht nehmen, da es nur noch heißer geworden wäre. Leider erklommen wir den Berg von der falschen Seite, scheiterten deshalb und kehrten nach der Hälfte um. Eine gute Aussicht auf Ekwendeni konnten wir aber auch dort schon genießen. Am Nachmittag ging es mit der Girls Brigade,einer kirchlichen Mädchengruppe, weiter. Sonja und ich brachten den Mädchen bei, wie sie sich Armbänder knüpfen können. Sie waren sehr begeistert davon. Anschließend sangen wir ein paar Lieder und spielten draußen Spiele.
Blick auf Ekwendeni

bei der Girls brigade mit Cornelius & Sonja 
11/11 Farewell 
Alle anderen neun Kolping-Freiwilligen kamen für Sandras und Leas Farewellparty nach Mzuzu. Der Freitagabend begann mit einem Barbecue inklusive Laugenbrötchen und ging weiter mit viel Spaß und Feierei. Ein letztes Mal mit Sandra und Lea. Zeit zum Traurigsein gab es aber nicht! Freitag und Samstag besuchten mich drei von den Jungs aus Salima beziehungsweise die Claras in Ekwendeni. Es hat mir Spaß gemacht, ihnen meine neue Heimat zeigen zu können. Samstag trafen wir uns alle in einem italienischen Restaurant in Mzuzu. Das Essen konnten wir noch einmal viel mehr genießen als in Deutschland. Wann gab es bitte das letzte Mal Caprese? Und Butter? Und richtig gute Nudeln? Das schätze ich mittlerweile sehr. Anschließend saßen wir noch draußen, alle außer wir aus dem Norden freuten sich sehr über die Kälte und die nötige Decke. Eingekuschelt hörten wir „John und die Maus“ (ein wirklich gutes Hörspiel)  und genossen den wirklich letzten Abend zusammen in Mzuzu.
Wobei mein Abschied von Lea und Sandra dann einige Tage später folgte. Eigentlich war ein letztes gemeinsames Nsima-Essen geplant. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Beiden mitten im Nirgendwo stecken bleiben und deshalb erst am Abend recht ausgelaugt ankommen würden. Die einzige Aufmunterung stellte dann indisches Essen dar. Anschließend ging es auf ein (für die Beiden) letztes Tee-trinken zu Khan. Realisieren, dass meine zwei sehr sehr liebgewonnen Freunde zurück nach Deutschland fliegen, konnte ich noch nicht. Erst im Taxi am nächsten Morgen, als ich eine Art „Abschieds“brief von Sandra gelesen habe, wurde mir klar, dass wir uns nicht so schnell wiedersehen. Und trotzdem bin ich dankbar für unsere wunderbare gemeinsame Zeit, für Livingstonia, für Lake Of Stars, für unser Kochbananenchips-Candelight-Dinner und für unsere Villa-Feierabende.
durchdrehen #1 - so viele deutsche Süßigkeiten!

♥♥♥ missing
21/11Aidswaisen in Karonga
Drei Tage lang habe ich die Chance genutzt, das Aidswaisen-Projekt Lusubilo in Karonga kennenzulernen. Nach einer anstrengenden Minibusfahrt mit Break-Down kam ich endlich im viel zu heißen Karonga an (bestimmt war es 10 Grad wärmer als in Ekwendeni, Tag als auch Nacht war man nur am schmelzen). Dort wurde ich sehr herzlich von den Schwestern willkommen geheißen. Nach einem gemeinsamen späten Mittagessen und einer verdienten Pause wurde mir das Kinderdorf gezeigt. Die Kinder freuten sich sehr. Wir spielten einige Spiele und hatten viel Spaß! Den Abend ließ ich, wie die folgenden Abende dann auch, gemeinsam mit den Schwestern ausklingen. Am zweiten Tag dann habe ich mit sehr vielen Menschen gesprochen, die im Projekt arbeiten und war erstaunt, wie riesig dieses doch ist! Außerdem durfte ich mir das Computer Centre ansehen. Da sogar einige Schüler vor Ort waren, konnte ich diese kennenlernen und ihnen sogar ein wenig mit ihrer Aufgabe weiterhelfen, da der Lehrer gerade beschäftigt war. An meinem dritten und letzten Tag besuchte ich das Education Centre, was in meinen Augen eine Art Vorschule ist. Außerdem durfte ich noch einen Blick ins Music Centre werfen, wo ich einige Mitglieder der Lusubilo Band kennengelernt habe. Die Band scheint sehr populär zu sein. Im Oktober haben sie im Rahmen des what boundaries?! Projekts sogar Auftritte in Deutschland gehabt. Auf dem Lake Of Stars Festival haben sie auch gespielt, doch dort ich habe ihre Performance verpasst. Zufälligerweise wollte die Band am Donnerstag ebenso nach Mzuzu fahren, da sie eine ganze Reihe an Auftritten hatten. Sie haben mich also im Bandbus bis nach Ekwendeni genommen, was auf dem Weg nach Mzuzu liegt. Die Fahrt war die sehr unterhaltsam!

27/11Ausflug nach Chinteche
Wir verbrachten den Sonntag mit einem Teil der Bible Study Group am See, genauergesagt in Chinteche Inn – der gleiche Strand, an dem auch das Festival stattfand. Alles war plötzlich so leer, so ruhig, so undekoriert. Dennoch ist der Strand ein Traum und das Wasser glasklar! Wir sind viel geschwommen, haben Karten gespielt, gegessen und uns schließlich die Taschen voll Mangos gepackt.  Auf der Rückfahrt fiel mir auf, wie vielfältig die Malawische Landschaft doch ist und wie glücklich ich bin, in diesem wunderschönen Land leben zu dürfen.


Phase10
erst sieht es nach Regenwald aus
und im nächsten Moment beinahe nach Wüste
28/11 Arbeit in der Bibliothek
Die vergangene Woche nutzten die Schüler, um ihre Arbeiten fertigzustellen – besonders die Schreinerschüler waren noch sehr beschäftigt. Sie schreinern momentan Türen für den Bischof. Deshalb fand kein Unterricht statt und ich habe ich mir vorgenommen, die Bibliothek aufzuräumen. Diese ist in einem Gebäude der Grundschule untergebracht. Leider wurde diese in letzter Zeit sehr vernachlässigt. Ordnung gab es keine mehr, Bücher waren so gut wie nie am richtigen Platz. Also habe ich drei volle Tage lang Bücher um- und einsortiert. Das war zwar viel anstrengender als gedacht, hat mir aber auch Spaß gemacht. Ordnung ist manchmal eben ganz zufriedenstellend.

02/12 Lilongwe
Da ich drei Tage lang recht hart gearbeitet habe, genehmigte ich mir ein verlängertes Wochenende in Lilongwe. Glücklicherweise ist das Trampen immer recht gut für den Geldbeutel, weshalb ich mir die etwa 450km-lange Fahrt doch recht oft gönnen kann. Meistens ist es auch sehr interessant, da man viele Leute und deren Geschichten kennenlernt. Manchmal aber gerät man auch in unangenehme Situationen. Leider. Links von mir standen zig Malawier, die genauso wie ich einen Lift nach Lilongwe ergattern wollten. Ein Pick-Up stoppte direkt vor der Gruppe Malawier. Sie wollten schon einsteigen, da machte ihnen der Fahrer klar, dass er nur mich mitnehmen wollte. Manchmal ist die Aufmerksamkeit, die Einem geschenkt wird, auch zu viel.. Dennoch kam ich irgendwie in Lilongwe an. Mein Aufenthalt bei den Claras in Biwi lässt sich als Kulinarische Reise 2.0 deklarieren. Unter anderem konnten wir Bratkartoffeln genießen, Knoblauchbrot, Applecrumble, Frenchtoast undundund. Freitagabend nutzten wir zum feierngehen, was auch großartig  war. Wir waren unter anderem in einem Club, der am selben Abend eröffnet hatte. Dieser erinnerte mich an einen neueröffneten, modernen deutschen Club. Sehr westlich also, was ein wenig schade ist und nicht mit „malawischen“ Clubs wie der guten alten Mzuzu-Villa zu vergleichen ist! Dennoch hatten wir viel Spaß. Die restliche Zeit verbrachten wir teils in der Stadt (der Lilongwe-Dapp ist riesengroß und nicht mit dem in Mzuzu zu vergleichen, um Clara zu zitieren Wenn man durch ist, ist man durch) aber auch viel Zuhause. Da der Strom in Lilongwe mehr weg ist als da kochten wir auf dem Kohleherd, was wie immer viel Zeit in Anspruch nahm. Außerdem bastelten wir uns richtig schön kitschige Freundebücher, was sich als Zeitvertreib schlechthin herausstellte. Sich endlich mal wieder ins Grundschul-Ich hineinfühlen und gleichzeitig kreativ sein! Meine Reise zurück nach Ekwendeni startete schon Sonntagmorgen, da ich auf jeden Fall einen Lift bekommen wollte. Das ging dann auch schneller als gedacht. Zwar musste ich diesmal verhältnismäßig viel zahlen, hatte aber eine nur dreistündige Fahrt und beste Unterhaltung durch ein junges Pärchen aus Zomba. In Mzuzu gingen wir sogar noch gemeinsam Mitagessen.

durchdrehen #2. diesmal ist Apple Crumble der Verursacher
Freundebuchbastelwerkstatt

05/12 final count down
Nun stehen mir die letzten zwei Schulwochen bis Weihnachten bevor. In dieser Woche wird gelernter Stoff wiederholt. Ich probiere, jede Minute zu nutzen, um meinen Schülern alles erneut nahezubringen und Defizite zu beseitigen. Es ist noch einmal sehr anstrengend, doch der Gedanke, dass es aufs Ende des ersten Terms zugeht, motiviert mich. In der nächsten und gleichzeitig letzten Schulwoche werden die Exams geschrieben, wonach dann am 16.12 der erste Term beendet ist. Die Ferien werden beginnen, ich freue mich sehr auf die kommende Zeit in der ich viel unterwegs sein werde!

Ich hoffe, ihr genießt die Adventszeit, kommt ein wenig zur Ruhe und seid mehr in Weihnachtsstimmung als ich es bin! Die besten Grüße sende ich euch. ♥