Sonntag, 30. Oktober 2016

Schulausflüge,Urlaub,Beerdigung und Schnickschnack

In den letzten Wochen ist so viel Schönes passiert. Auch ein wenig Unschönes, aber das gehört dazu. Also macht euch darauf gefasst, von einer Menge Geschehnissen und Erlebnissen erschlagen zu werden!

07/10 Schulausflug nach Mzuzu
Um ein College wie unseres zu besuchen, sind wir mit 41 Schülern nach Mzuzu gefahren. Dafür haben wir einen großen Pick-Up gemietet - beim Roadblock (aka Polizeikontrolle) gab es deshalb riesige Probleme.. Seit einem schlimmen Unfall vor einigen Wochen braucht man zum Transport von mehr als 3 Personen auf der Ladefläche eine Genehmigung. Diese hatten wir uns extra vorher bei der Polizei geholt. Die Officer wollten sie trotzdem nicht akzeptieren. Erst, als wir ihnen mit dem Gang zur Polizei gedroht hatten, durften wir weiterfahren und kamen nach gut 30 Minuten an unserem Ziel an.
Das College ist in vielerlei Hinsicht schon entwickelter als unseres: Verschiedene Gebäude, die alle durch Holzstege miteinander verbunden sind. Im Zentrum steht ein Pavillon, unter dem gegessen, sich getroffen oder einfach nur entspannt werden kann. Es gibt sogar eine große Halle für Versammlungen und Veranstaltungen! Außerdem werden neben Schneidern und Schreinern auch Maurer ausgebildet.
Zum Mittagessen gab es für uns Lehrer und Osman (Manager) Toast, Chips und Fanta. Wir saßen mit den anderen Lehrern und mit deren Manager zusammen und tauschten Ideen aus. Von diesem College können wir wirklich viel lernen, wir nutzten die Chance und erfuhren viel Neues. Auch die Schüler zeigten sich gegenseitig das Gelände, das klappte besser als gedacht.
Anschließend traf man sich zum Netball- und Fußballspiel wieder: Während unser Netballteam einen grandiosen Sieg von 15:3 holte, konnten wir das im Fußball nicht fortführen, wo wir 0:1 verloren.. Dennoch hatten wir einen erlebnisreichen Tag hinter uns, an dem wahrscheinlich jeder Einzelne etwas lernen konnte.

Schneider
Maurer
Rückfahrt
Front seat ergattert!

11/10 Unterrichtsmaterialienkauf
Keine Schneiderei kann ohne Stoff und Faden, keine Schreinerei ohne Holz und Nägel. Deshalb fuhren wir-Osman,Stuart,Matthews und ich-frühmorgens nach Mzuzu, um neue Unterrrichtsmaterialien zu kaufen. Zunächst auf den Chitenchemarkt. Ich allein durfte alle Stoffe aussuchen und habe mich gefühlt wie in der Fernsehserie, in der Kinder mit Einkaufswägen durch einen Spielemarkt rennen. Alles, was ihnen gefällt, dürfen sie einpacken! Genau das tat ich auch. Zwar suchten wir Stoffe eines bestimmten Labels, dennoch aber genoss ich das Privileg, mich austoben zu dürfen. Anschließend klapperten wir verschiedene Schneiderläden ab, um viele verschiedene weitere Stoffe, Nadeln und Fäden zu kaufen. Auch dem Holzmarkt und verschiedenen Handwerksläden statteten wir einen Besuch ab. Bis wir (fast) alles gefunden hatten und es mit unserem gemieteten Laster abgeholt hatten, war es bereits spät abends. Erst um 8 Uhr waren wir zurück in Ekwendeni. Am nächsten Tag fuhren wir erneut nach Mzuzu, um die restlichen Materialien zu kaufen. Das ging schneller als gedacht, nach einem halben Tag hatten wir alles erledigt und unsere Schüler können endlich richtig loslegen.
einer der vielen Shops im Chitenche-Markt (man hat definitiv die Qual der Wahl)
Holzmarkt
13/10-15/10 Wochenende in Livingstonia & Chilumba
Sandra und ich machten einen Ausflug nach Livingstonia. Ursprünglich wollte Lea mit ihren Eltern mitkommen, doch da es ihnen in Nkhata Bay so gut gefallen hat, verlängerten sie. Und so waren wir nur noch zwei!
Wir starteten in Mzuzu. 3 Stunden Fahrt im Minibus, die aber aufgrund des Front Seats okay waren. Angekommen in Chitimba begann die Suche nach einem Transport nach Livingstonia, was hoch oben auf dem Berg ist. Lust, die 800 Höhenmeter in der Mittagshitze zu laufen, hatten wir nicht. Wir fanden einen recht leeren Pick-Up. Es hieß also warten, bis er voll ist. Halbsoschlimm. In der Ladefläche Mangos snacken passt auch. Der Fahrer ging nach zwei Stunden mal schnell Benzin kaufen, der Pick-Up wurde angeschoben und los gings! 90 Minuten lang quälte sich das Auto einen sehr schlechten Weg auf steilen Serpentinen entlang nach oben. Froh, angekommen zu sein, sind wir zur Mushroom Farm, unserer Lodge, gelaufen. Die Lodge war wirklich wunderwunderschön und der Ausblick ein Traum. Wir haben in der Hängematte entspannt, viel Bao gespielt (schwer zu erklären, spielt hier jeder und ist echt lustig) und das superleckere Essen genossen. Samstagfrüh sind wir zum Sonnenaufgang aufgestanden – die Sonne ging über dem See auf und ich kann euch versichern, dass es in echt noch viel schöner war als auf den Fotos. Selbstgemachtes Müsli zum Frühstück. Das war ein Fest! Anschließend ein "kleiner" Spaziergang nach Livingstonia selbst. In der Hitze war es recht anstrengend, die Cola in einem kleinen Cafe eine verdiente Erfrischung. Bald ging es zurück nach Chitimba. Diesmal zu Fuß! Immermal eine Abkürzung über Stock und Stein, und so schafften wir einen Großteil der circa 10km langen Strecke recht schnell. Die letzten Kilometer legten wir im Kofferraum eines geschlossenen Pick-Ups zurück. Zum einen war es die Sauna schlechthin, zum anderen staubig ohne Ende. Froh waren wir, als wir da raus kamen. Da Chilumba nur etwa 25 Kilometer weiter nördlich ist, statteten wir Elli und Nora einen kurzen Besuch ab. Am Samstag fielen wir dort nach dem Abendessen sofort ins Bett – der Fußmarsch hat sich doch bemerkbar gemacht. Den Sonntag nutzten wir, um an den nahegelegenen See zu fahren. Davor trafen wir jedoch noch einen Inder, der mehr oder weniger Ellis und Noras Nachbar ist. Er baut hier eine Straße und lud uns auf einen Saft zu sich ein! Nach unserem Ausflug an den See machten Sandra und ich uns auch schon auf den Rückweg: Da uns Minibusfahren zu stressig war, hatten wir beschlossen, zu trampen. So kam es, dass uns ein Öl-Truck aus Tansania mitnahm. Die Mutter des Fahrers war auch dabei (er versicherte uns bestimmt fünfmal, dass sie seine Mutter ist) und gemeinsam stiegen die beiden alle paar Kilometer aus. Wir standen mehr als wir vorwärtskamen. Da wir aber ein Polster hatten, auf dem wir super liegen konnten, war alles egal und richtig lustig. Mutter und Sohn hatten auch viel Spaß und sangen bei ihrer tansanischen Musik kräftig mit. Nach vielen Stunden kamen wir endlich in Ekwendeni an.
Blick von unserer Lodge

Baooo
Sonnenaufgang. 
auf dem Weg nach Livingstonia
Öl-Lkw-Fahrt
18/10 Trauer und Beerdigung
Sandra und ich sind samt riesiger To-Do List nach Mzuzu gefahren. Nach der Geldautomatenjagd wollten wir in Khans Shop kurz etwas abstellen, um dann mit den Besorgungen zu beginnen. Dort bekam ich aber einen Anruf von Ausmane. Ein Todesfall in meiner Familie, ich soll so schnell wie möglich nach Ekwendeni zurückkommen. Schon lange wussten wir, dass das jederzeit passieren kann. Trotzdem hat mich die Nachricht sehr geschockt.. Ich habe meine Sachen gepackt und mich wieder ins Taxi gesetzt. Eine Ahnung, was mich erwartet, hatte ich nicht. Zuhause angekommen fand ich folgendes Szenario vor: Im Garten unter dem Mangobaum saßen ungefähr 20 Männer, die sich gemäßigt unterhielten. Ich habe das Haus betreten. Das gesamte Wohnzimmer war voller trauernden, weinenden und auf dem Boden sitzenden Frauen. Ich habe mich dazugesetzt. Geredet hat niemand, außer dass alle paar Minuten ein Gebet gesprochen wurde. Die Situation war sehr bedrückend! Eine Stunde später fuhren alle außer Natasha und mir in das Dorf, in dem die Verstorbene gelebt hatte. Wir blieben Zuhause, um das Haus zu hüten.
Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Minibus ins Dorf zur Beerdigung. Gegen 10 Uhr kamen wir an. Es waren unglaublich viele Leute dort, bestimmt an die 200. Bis zum Mittagessen wurde getrauert – Männer und Frauen saßen getrennt voneinander und im Prinzip ging es so weiter, wie am Tag davor aufgehört wurde: Einige Frauen haben sehr laut geschrien und geweint, während viele andere gebetet und gesungen haben. Zum Mittag wurde Nsima gekocht. Danach gab es eine kleine Andacht, die immer wieder durch kurze Lieder unterbrochen wurde. Als diese beendet war, liefen wir zum Friedhof der Familie. Der Weg war nicht gerade kurz und der Anblick aller Menschen glich einer Völkerwanderung. Am Friedhof angekommen wurde der Sarg vergraben und gleichzeitig vielen Menschen gedankt, sowie der Verstorbenen gedacht. Hier ist es meist so üblich, dass jede Familie ihren eigenen kleinen Friedhof hat, da man es sich nicht leisten könnte, ein Grab auf einem öffentlichen Friedhof zu bezahlen. Der Sarg wurde vergraben und die Danksagungen beendet, wir fuhren wieder nach Hause. Nach der Beerdigung wurde mir dann erzählt, dass es ein Muss ist, zu jeder Beerdigung zu gehen, von der man hört- dabei spielt es keine Rolle, ob die Person die beste Freundin oder nur eine flüchtige Bekanntschaft war. Man zeigt damit Anteilnahme und schützt sozusagen seinen Ruf.

17/10 Bäckereinichtbesuch und Hotel
20:30 Uhr, Sandra und ich saßen Dhal-essend vor Khans Haus. Recht spontan kam uns der Einfall, mal bei der deutschen Bäckerei nahe Mzuzu vorbeizuschauen (ich vermisse eigentlich nichts hier. Außer Brot.). Rein ins Auto, los ging es! Leider hatte die Bäckerei schon geschlossen, wer hätte es gedacht?! Somit musste ein neues Ziel her. Der Aufwand soll ja nicht umsonst gewesen sein. Auf zum Grand Palace Hotel, das wohl fancyeste der Stadt. Warum? Einfach so! Sahen uns im Speisesaal um, besichtigten den Pool und sogar zwei Zimmer. Eines davon war die Presidential Suite.. Mehr als nur ein bisschen nett! Fasziniert war ich auch von den Spiegeln. Sie waren so sauber, dass man nicht einmal gesehen hat, dass es Spiegel sind! (-woran man merkt, dass man doch schon ein Weilchen in Malawi ist-). Perfektioniert wurde der Ausflug noch mit einem Eis. Wie könnte ein Abend besser enden?♥
das Asiatenklischee muss aufrechterhalten werden-im Hotel entstanden bestimmt 200 Fotos
21/10-23/10 Lilongwe (=kulinarische Reise)
Eine unserer Babykatzen in einen Karton gepackt, ins Taxi nach Mzuzu gestiegen und mal wieder getrampt. Diesmal mit dem Ziel Lilongwe. Fünf Minuten später stoppte ein Auto und packte mich ein – so viel Glück hatte ich noch nie! Besonders schnell unterwegs waren wir nicht, weshalb wir Lilongwe dann doch im Dunkeln erreichten. Da Lilongwe nicht Mzuzu ist, machte ich mir schon ein wenig Sorgen. Besonders dann, als wir in eine dunkle Gasse einbogen und anhielten. Das stellte sich dann aber als Werkstatt des Fahrers heraus, welcher Techniker ist. Ausladen, einladen, umladen. Netterweise fuhren der Fahrer und dessen Kollege mich danach zum Inder, in dem ich die Claras, Lars, Marius und Jasper getroffen habe. Geld musste ich für die Fahrt nicht bezahlen, lucky me!
Nach dem Essen (was mich alle Ängste und Sorgen vergessen lassen hat), begaben wir uns auf Taxisuche. Der Taxifahrer wollte aufgrund von overcapacity mehr Geld für die Fahrt. 6 Leute und 4 Plätze im Auto. Wer hätte gedacht, dass Malawier sich mal für so etwas interessieren? Bei Clara und Clara gab es Strom, was uns so sehr freute, dass wir gleich mal einen Brownie backen mussten. Die Katze, die ich den Claras mitgebracht hatte, tauften wir als Clara und auch sie war zufrieden, endlich angekommen zu sein.♥
Der Samstag begann mit einem Magnum-Eis. Es ging auf den Markt, ein Ohrringe- und Chitenchekauf war mal wieder fällig. Ich hatte ja durch die Fahrt so viel gespart. Ein bisschen durchgedreht bin ich auch im Supermarkt, der einfach ein neu eröffneter Edeka in Deutschland hätte sein können. So etwas gibt es in Mzuzu dann doch nicht.
Am Abend kochten wir im Kerzenschein Kürbis-Kartoffelsuppe, eieiei war das romantisch und lecker. Ich bin aber schon ganz froh, dass wir im Norden fast immer Strom haben. Im Zentrum sind fast täglich Strom- und Wasserausfälle.
Das Zurücktrampen am Sonntagmittag gestaltete sich zunächst schwieriger als gedacht. Ein Auto stoppte: Es sei zu spät, ich werde bestimmt keinen Lift mehr finden, der mich nach Mzuzu fährt. Sie boten mir an, mich zum Bus Depot zu bringen. Aber nein, genau dem wollte ich ja aus dem Weg gehen. Hoffnungslos wartete ich und hatte mich schon damit abgefunden, meinen Aufenthalt in Lilongwe zu verlängern. Da hielt doch noch ein Auto an! Zwei Malawier und eine Britin von einer NGO (BookAid). Wir führten sehr interessante Gespräche, hielten an vielen Bibliotheken an und machten sogar einen Stopp am Strand, da die Britin den Malawisee noch nie gesehen hat. Zahlen musste ich zwar nichts (juhu!) aber Mzuzu erreichten wir erst gegen 8. Keine Chance mehr, nach Ekwendeni zu kommen. Also quartierte ich mich bei Khan ein und fuhr erst Montagmorgen weiter nach Ekwendeni.

Schnickschnack
  • Seit einigen Tagen weiß ich, dass Malawier, wenn sie von „half five“ reden, nicht etwa halb fünf meinen. Sie reden von halb sechs. Damit klären sich einige Missverständnisse auf!
  • Die Märkte sind voller Mangos, die nur 1-3 Cent kosten. Sie werden immer größer und billiger. Ich kann es kaum erwarten, dass der Mangobaum in unserem Garten auch Mangos trägt. Schon jetzt esse ich mindestens genauso viele Mangos wie Nsima. Oder sogar mehr.
  • Da 4 Katzen und  2 Hunde uns nicht genug waren, haben wir jetzt noch einen Welpen bekommen. Ich habe in Bruno getauft und ihn schon sehr ins Herz geschlossen. Er denkt zwar immernoch, er wäre eine Katze und liegt dauerhaft auf dem Sofa, aber übel nehmen kann man es ihm nicht so richtig.
  • Während es in Deutschland immer kälter wird, steigen die Temperaturen hier weiter und weiter. Wir befinden uns in der hot season. Trotzdem ist es hier bisher nicht zu heiß, es ist angenehm. Das mag daran liegen, dass Ekwendeni doch recht hoch liegt – auf über 1200 Metern. Fortwährender Sonnenschein ist auch gut für fortwährende gute Laune!
  • Richtig gute Schnäppchen kann man hier in Seconhandläden machen. Heute gab es alles für 200 Kwacha, das sind umgerechnet 25 Cent. Für 25 Cent habe ich mir also eine Jeans gekauft, für die ich in Deutschland 50 Euro zahlen würde. 
  • Ich habe zum ersten Mal Ziege gegessen. Obwohl ich Fleisch eigentlich gar nicht so sehr mag! Warum ich dazu nach Malawi fahren musste, weiß ich auch nicht genau. Jedenfalls war ich bei Khan zum Mittagessen eingeladen. Das gab es dann pünktlich um 20:45 Uhr. War aber irgendwie sehr lecker, auch wenn ich zu dieser Zeit innerlich schon geschlafen habe. 
  • Wie ich meine Familie ins food coma versetzte: Dem Wunsch, dass ich etwas typisch Deutsches koche, bin ich nachgekommen und habe für meine Familie plus Besuch Pfannkuchen gebacken. Im Eimer wurden alle Zutaten verrührt (wir hatten eine riesige Menge Teig!) und auf dem Kohleherd gebraten. Die Familie hatte schon gegessen, als ich noch gebraten habe. Als ich fertig war und ins Wohnzimmer kam, lagen alle auf den Sofas verteilt. Ein müdes „I ate two pancakes! I’m so full“ musste ich mir dann anhören. Geschmeckt hat es ihnen also bestimmt. :):)

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Lake of stars & Tag der deutschen Einheit

Hinter mir liegt ein Wochenende, das schöner nicht hätte sein können! Am Freitag fuhren wir Freiwilligen auf das Lake Of Stars Festival, das glücklicherweise dieses Jahr im Norden stattfand. Die Freiwilligen aus dem Süden sind zum Teil schon am Donnerstagabend losgefahren und aus Versehen in Mzuzu gestrandet. Währenddessen konnte ich entspannt ausschlafen und in Mzuzu zu ihnen stoßen :D Somit hatte ich von allen die kürzeste Anfahrt- circa 3 Stunden von Mzuzu nach Chinteche, wo das Festival stattfand. Nach langem Warten und Schmelzen konnten wir auf den Zeltplatz direkt am Strand. Logischerweise gingen wir nach dem Zeltaufbau erst einmal eine Runde schwimmen! Auch an den folgenden Tagen waren wir beinahe dauerhaft am im See/am Strand, was durch eine Kombination aus Müdigkeit und Hitze hervorgerufen wurde. Ansonsten gibt es gar nicht viel zu erzählen – es folgten drei Tage voll feiern, baden, am Strand liegen, essen und das Leben genießen. Die Musik war super! Hauptsächlich ostsfrikanische Künstler, die ich jetzt endlich auch kenne. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Roberto mit seinem Hit Ama-Rulah, den Sandra und ich in der ersten Reihe abfeierten, während alle anderen schon geschlafen haben (es war noch echt früh jaja!) :D Aber auch internationale Künstler/DJs wie der Deutsche Timo Maas haben gespielt. Wobei Timo Maas weniger gut als erwartet war.. Während Abends hauptsächlich Livemusik gespielt wurde, gab es auch tagsüber Programm wie Tanz, Theater, eine Modenschau und sogar Yoga. Im See baden ging wie gesagt auch immer gut, der Strand war traumhaft. Ich habe die Zeit sehr genossen und lasse lieber Bilder sprechen. 🌞
(wer sich einen ausführlicheren Bericht wünscht:schaut bei Sandra vorbei)
so lässt es sich dann doch ganz gut leben 
Clara&der Campingplatz
Claras
Food court
Strandleben
alle Kolping-Freiwilligen und Michael, der wohl auch gerne einer wäre
glitzern
Zum Tag der deutschen Einheit am Montag waren wir in der Residenz des deutschen Botschafters in Lilongwe eingeladen. Deshalb war die Nacht von Sonntag auf Montag kurz, da wir schon am Nachmittag vor Ort sein sollten. Glücklicherweise hatte ich am Samstag jemanden getroffen, der Elli,  Nora und mich mit nach Lilongwe nehmen konnte! Damit blieb uns die Busfahrt erspart. Auf der Feier am Abend sollten wir als Freiwillige ursprünglich helfen (weshalb wir früher dort sein mussten). Aufgrund einiger Zufälle und Nichtzufälle kamen wir aber nur eine halbe Stunde vor offiziellem Start an, was sich unerwarteterweise aber nicht als Problem herausstellte. Viel helfen sollten wir gar nicht. Und wenn ihr mal eine halbe Stunde Pause braucht, ist das auch völlig okay!  Ich habe Appetizer verteilt. Bei Pizza- und Quichestücken sowie Hackfleischbällchen war es unmachbar, nicht mindestens die Hälfte selbst aufzuessen! Der stellvertretende deutsche Botschafter  (nicht der richtige, weil er sich noch dem Präsidenten vorstellen muss…) und der malawische Gesundheitsminister hielten eine Rede, wonach wir weiteressen konnten. Das Essen stellte sich als das Highlight schlechthin heraus. Es gab deutsches Brot und Käse, stellt euch das vor! Außerdem Schnitzel, Nudelsalat, Sauerkraut und ROTKRAUT! Ich träume immernoch davon. Nicht vergessen sollte man das deutsche Bier. Und alles war natürlich kostenlos. Leider war die Feier schon sehr früh zu Ende, wir sind eben doch noch in Malawi. Im Kofferraum zusammengequetscht fuhren wir in die Wohnung von Clara und Clara, um dort zu schlafen. Am Dienstag sind wir recht zeitig aufgebrochen und nach Hause getrampt. Elli und Nora haben das erste Auto genommen, während Sebastian und ich noch weiter gewartet haben. Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, aber wir haben noch einen Lift bekommen! Das Warten hatte sich gelohnt. Nach nur dreieinhalb Stunden waren wir in Mzuzu (Vergleich: Mit dem Bus waren es acht), da der Mann das Gaspedal ein bisschen liebhatte. Ich habe ihn noch beim Schuhkauf für seine Frau unterstützt. Danach hat er mich nach Ekwendeni gefahren, ein ziemlicher Glücksgriff also. Ich bin in mein Bett gefallen und seit gestern wieder am Arbeiten.
Clara,Jasper,Essen und vorallem QUALITÄT
Rede vom Botschafter-Stellvertreter
genießen
das Rednerpult okkupiert
Liebste Grüße !❤

Mittwoch, 28. September 2016

Heute Schüler,morgen Lehrer

Mehr und mehr finde ich hier meinen Platz. Nachdem ich mittlerweile schon seit vier Wochen im Centre arbeite entwickelt sich Routine, entwickelt sich so etwas wie Alltag:   
Pünktlich um fünf Uhr morgens werde ich von der Glocke der Grundschule geweckt. Die Hunde stimmen meist mit ein, während sie direkt neben meinem Fenster sitzen. Raus aus dem Bett und rein in die Sportsachen! Morgenlauf im Sonnenaufgang mit meinem Gastpapa. Das genieße ich immer sehr, der Tag könnte nicht besser starten. An morgenlauflosen Tagen versuche ich nach dem ersten Läuten noch zu schlafen, doch bald folgt das nächste Läuten (sechs Uhr), die Sonne scheint in mein Zimmer und das ganze Haus ist wach. Die Musik wird laut aufgedreht- es wird gewaschen, geputzt, gefegt und gekocht. Bald wird es Zeit fürs Frühstück, das immer ein wenig anders aussieht. Toast mit Erdnussbutter, Avocado, Kasava, Süßkartoffeln, Pommes oder Porridge.
Morgenlauf
Um acht Uhr geh es zur Arbeit. 100 Meter Fußweg-perfekt. Wenn ich den Hügel zum Centre hinunterlaufe, höre ich oft schon von weitem Rufe wie „Good Morning Luise“  - oder auch „Good Morning Madame!“. Denn plötzlich betrete ich die Schule nicht mehr als Schüler, sondern als Lehrer. Vor mir sitzen junge Erwachsene, der Großteil davon älter als ich. Das Centre ermöglicht ihnen eine kostenlose Ausbildung im Schneidern beziehungsweise Schreinern. Ich bin für den zusätzlichen Unterricht zuständig, welcher derzeit aus Englisch und Computer besteht.
Centre (der Weg entspricht ungefähr meinem Arbeitsweg)
Im Englischunterricht hat sich die Teilung der 1st und 2nd years bewährt: Bei den 1st years werden zunächst die Grundlagen aufgefrischt. Wie stelle ich mich vor? Wie schreibe ich einen Brief, wie einen Dialog? Die 2nd years dagegen haben im letzten Schuljahr bei Nasti, meiner Vorfreiwilligen, schon viel gelernt (falls du das liest: DANKEFÜRALLES!). Daran kann ich gut anknüpfen. In den vergangenen Wochen haben wir die wichtigsten  Zeitformen wiederholt. Bald wird das Wissen praktisch angewendet – ich habe viele Pläne und Ideen, was das angeht und bin gespannt, wie sich alles umsetzen lässt!
Da mir für den Computerunterricht nur drei Laptops zur Verfügung stehen, habe ich die über 40 Schüler in kleinere Computergruppen aufgeteilt. Viele haben vorher kaum an einem Computer gearbeitet. Manchmal stoße ich da schon an meine Grenzen – wie erklärt man einem Schüler, wann genau man einmal und wann doppelt klicken muss?  Trotzdem macht mir auch der Computerunterricht großen Spaß. Das Interesse der Schüler ist riesig und auch sie haben Spaß dabei. Ich habe das Gefühl, ihnen wirklich etwas zu vermitteln und das macht mich glücklich. Wenn alles klappt, kann ich die 2nd years in einigen Wochen in der Welt des Internets herumführen.❤🌞
Computer
Englisch
Schneiderschüler


Office (place to be für mich)
Mein Unterricht findet bisher nur Vormittags statt, Mittagessen gibt’s dann zu Hause. Nsima#1! Schmeckt mir inzwischen wieder gut, das erste Nsimatief ist überwunden :D Anschließend ein kurzer Verdauungsnap. Den Nachmittag verbringe ich, wenn ich nichts anderes vorhabe, im Centre. Unterricht vorbereiten oder nachbereiten, Ideen sammeln und aufschreiben, planen, spielen, schnacken und die Zeit genießen. Mittwochs wird Fußball bzw. Netball gespielt. Die Netball-Regeln sind mir noch suspekt. Wer ist wann wo in welchem Feld und darf wieviele Schritte gehen? Da hier aber jeder ein Netball-Profi ist, verstehe ich es immer besser und habe auch schon so Spaß daran!
Um 6 Uhr ist es dann schon dunkel, ich helfe beim Abendessenkochen. Nsima  #2. Die Beilagen variieren immer, mein Favorit sind ja Bohnen und Soyapieces! Durch den zeitigen Sonnenuntergang ist der Tag auch schon früh vorbei. Nach dem Abendessen sehen wir meist nur noch ein wenig fern (mir fällt immer wieder auf, wie wenig ich die deutschen Medien vermisse!!). Um halb neun sind alle im Bett. Manchmal schlafe ich auch schon früher.
Nsimansimansima
Einmal wöchentlich aber gehe ich zum Mzungu Dinner (Mzungu ist das Wort für Weiße), wobei ich lustigerweise die einzige Weiße bin. Gemeinsam kochen, essen, spielen! Manchmal nehme ich auch an einer Bible Study Group teil. Leider bin ich oft zu müde dafür, da das Mzungu Dinner am Tag davor war und ich mit Schlafmangel nicht mehr gut umgehen kann. Ansonsten verbringe ich die freie Zeit mit meiner Familie oder Freunden, gehe auf den Markt oder versuche mich im Chitumbuka-lernen. Ich muss aber schon sagen, dass ich viel weniger Freizeit oder Langeweile habe, als gedacht. Genau deshalb vergeht meine Arbeitswoche wie im Flug.
Die Wochenenden sehen immer ein wenig anders aus:
Am vorletzten Samstagmorgen bin ich nach Chilumba gefahren, um Nora und Elli zu besuchen. Die dreistündige Fahrt fühlte sich mehr wie eine dreißigstündige Fahrt an, da ich die meiste Zeit an die Tür gequetscht saß. Wenn die herausgefallen wäre, dann mit mir. Und das hätte mich nicht mal so sehr gewundert, da die Minibusse meistens schon ein wenig älter sind und die Fahrer echt verrückt fahren.. Glücklicherweise ist nichts passiert und ich bin heil angekommen. Nora und Elli haben mich abgeholt und mich zu ihrem von Mangobäumen umrundeten Haus inmitten einer Kasavaplantage geführt. Sehrsehridyllisch! Die beiden haben eine Menge Nachbarn und Freunde, die ziemlich witzig drauf sind und die die Beiden auch meist bekochen. So wurden wir auch am Samstag bekocht. Unter dem Mangobaum gab es Mittagessen und lustige Gespräche. Wir drei Mädels sind danach an den Malawisee gefahren. Wunderschön war das, der See sieht aus wie ein Meer. Und überall sind Berge! Viele Menschen, besonders Kinder, Kühe, Ziegen und Hühner waren auch am Start. Lustig war, dass die Frauen ihre Knie zwar mit ihren Chitenche bedeckt hatten, aber oberkörperfrei waren. Auf eine Sprite ging es an eine Bar, die wir entdeckt haben. Pommes, Phase10 und Sonnenuntergang. Als es dunkel war, beeilten wir uns, nach Hause zu kommen. Dort wurden wir dann von den Nachbarboys mit einem Willkommenslied auf Ellis Gitarre begrüßt. Abendessen und rätseln und lachen! Der nächste Morgen begann mit einem Süßkartoffelfrühstück und UNO unter dem Mangobaum. Gegen Mittag musste ich leider schon aufbrechen, da ich Zuhause noch einiges zu tun hatte. Unschön waren für mich die ersten Minuten der Rückfahrt. Einen Sitzplatz konnte ich leider nicht mehr ergattern, es hatte nur für einen Bodenquetschplatz gereicht. Dann konnte ich mich selbst aber auf einen Front Seat upgraden und genoss die restliche Fahrt in vollen Zügen! Die Landschaft war atemberaubend. Lange sind wir am See entlang gefahren, durch viele Serpentinen einen Berg hoch. In diesem Zeitraum habe ich 30 (!) Affen gesehen. Die chillen da halt einfach auf der Straße.. Und so kam es, dass ich auf einer Minibusfahrt mehr Wildlife zur Sicht bekommen habe, als  im  Wildlife Centre Lilongwe (was zudem auch doppelt so teuer war).
Sonnenuntergangssprite


die Chilumbagirls vor ihrem Haus
familieee


Am vergangenen Freitag dann hatten unsere Schüler ein Fußball- bzw. Netballtestspiel. Das fand aber leider nicht in Ekwendeni statt, sondern in Ngongo (oder ähnlich). Nach einer Motivationsrede von Ausmane, dem Manager, und mir ging es für die Schüler zu Fuß zu ihrem Spiel. Bestimmt waren sie zwei Stunden lang unterwegs. Nach langem Suchen und Fragen konnten wir uns einen Pick-Up samt Fahrer mieten, mit dem es dann nach Ngongo ging! Nach einigen Metern wurde mir klar, warum niemand uns sein Auto geben wollte. Die Straße war wirklich sehr sehr schlecht. Eigentlich war sie nicht mal eine Straße, eher eine Aneinandereihung von Gräben. Zum Teil mussten wir durch einen Fluss fahren. Als wir ankamen, waren die Netballgirls schon fertig. Sieg! Triumphierend sind sie auf die Ladefläche gesprungen, singend und jubelnd sind wir zurück nach Ekwendeni gefahren. Die Fußballspieler wurden natürlich auch abgeholt, jedoch bin ich nicht noch einmal mitgekommen – mein Besuch aka Nora und Elli war schon kurz vor Ekwendeni und hatte selbstverständlich Vorrang! Nachdem ich sie abgeholt hatte ging es nach Hause. Aufgrund Müdigkeit reichte es nur noch zum Essen und Schlafen.
Samstagmorgen mussten die beiden zur Uni in Ekwendeni, da sie für ihre Lehrer, die dort studieren, etwas abgeben sollten. Ja, Ekwendeni hat sogar eine Uni! Sie ist zwar sehr klein, aber inmitten von Jacarandabäumen gelegen. Auch der Ausblick kann sich sehen lasssen. Anschließend sind wir ins Taxi nach Mzuzu gestiegen. Kurzegefasst: Immigration Office (endlich habe ich die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis),  Shoprite (teurer Spaß), Dapp (ein Tshirt kann man immer gebrauchen..), Blue Tomatoe, ein supersuperguter Inder! Dort sind auch Sandra und Lea zu uns gestoßen. Stoffmarkt, Lodge. Ausruhen! Burger und feiern am Abend. Trotz semigutem DJ war das wunderbar und wir hatten viel Spaß. Nächstes Wochenende Lake Of Stars Festival, ich drehe schon jetzt durch vor Freude.
Unibesuch 
Tagvorhang
Nachtvorhang
2/3
unser Haus

Dienstag, 13. September 2016

Erste Wochen in Ekwendeni

Gleich an meinem ersten Wochenende in Ekwendeni hatte ich das Glück, bei einer Hochzeit dabeizusein. Meine erste afrikanische Hochzeit! Diese begann um 8 Uhr früh mit dem Gottesdienst. Zum Glück ist die Kirche gleich um die Ecke. Der Gottesdienst war zugleich auch mein allererster in Malawi, weshalb alles doppelt so spannend war: Insgesamt gab es bestimmt 20 Tänzer (darunter Frauen, Männer, Kinder und Kleinkinder), die gemeinsam mit Braut und Bräutigam in die Kirche hineingetanzt sind. Vom Gottesdienst an sich habe ich dann leider nicht viel verstanden, da er auf Tumbuka gehalten wurde. Trotzdem habe ich die Stimmung genossen, die Musik, das Jubeln und das Tanzen. Noch nie war ich in so einem bewegten Gottesdienst! Am Nachmittag traf man sich in einer Halle zur Hochzeitsfeier wieder. Diese bestand größtenteils nur aus Tanzen und mit Geldscheinen werfen. Zwischen den verschiedenen Tänzen hat ein Moderator immer wieder eine andere Zielgruppe zum Tanzen und zum Geldscheinewerfen aufgefordert. Ich hatte mich bereiterklärt, als Kassierer mitzuhelfen. Das bedeutet, dass die aufgesammelten Geldscheine haufenweise auf einen Tisch geschüttet werden. Diese haben wir geordnet und gezählt. Ziemlich stressig war das. Nach fast vier Stunden war es dann auch nicht mehr so einfach, bis 20 zu zählen. Trotzdem konnte ich die Atmosphäre genießen, besonders da die Menschen hier sehr anders tanzen als in Deutschland. Schon die Dreijährigen haben einen Hüftschwung drauf, von dem ich nur träumen kann. Doch nicht nur Geld wurde an das Brautpaar gespendet. Später sind auch Menschen mit Matratzen und Haushaltsgeräten auf dem Kopf zum Brautpaar vorgetanzt. Viel habe ich davon leider nicht mitbekommen, da der Geldhaufen auf dem Tisch bis zum Ende hin einfach nicht kleiner wurde! 

Der Sonntag begann dann erneut mit einem Gottesdienstbesuch. Ähnlich wie bei der Hochzeit wurde viel getanzt und und viel gesungen. Dadurch, dass der Pfarrer bei der Predigt wild gestikulierte und auch echt laut wurde, war diese für mich ziemlich interessant. Obwohl ich kein Wort verstanden habe! Beim Sammeln der Spenden für verschiedenste Anlässe, mindestens fünf mal, war ich ein wenig verloren. Zur Kirche gelaufen war ich nur mit Stuart, der auf der Männerseite saß. Dank einer netten Sitznachbarin habe ich das aber halbwegs managen können :D Am Ende musste ich mich kurz vorstellen. Sagen, wer ich bin, woher ich komme, was ich hier machen werde. Stuart hatte mir das schon vorher erzählt, weshalb ich mir die Sätze auf Tumbuka gemerkt hatte. Die Leute waren so begeistert - applaudiert und gejubelt haben sie, bevor ich ausgeredet hatte.
Nach dem Gottesdienst fand ein kurzes Meeting mit einigen Vorstandsmitgliedern vom Centre statt, da der Unterricht ja schon am darauffolgenden Tag beginnen sollte. Viel mehr über meine Aufgaben habe ich nicht erfahren. „Feel free“ ist die Devise!

Dass ich am Montag dann nicht vorbereitet war, war deshalb natürlich auch nicht schlimm. Es wurde geputzt, aufgeräumt und ausgemistet. Außerdem habe ich die drei Lehrer kennengelernt - (momentan) eine Schneiderlehrerin und zwei Schreinerlehrer. Sie haben mich sehr herzlich willkommen geheißen, weshalb ich mich von Anfang an wohlgefühlt habe.

Die gesamte Woche verlief entspannt und war somit perfekt für meine Eingewöhnung! Schüler waren nur wenige da, weil die erste Schulwoche hauptsächlich für Anmeldungen genutzt wird. Keine Anwesenheitspflicht.
Nach einigen Tagen konnte ich die Lehrer endlich von einem neuen Stundenplan überzeugen, der auch immer besser eingehalten wird. Mit dem Englischunterricht habe ich schon begonnen, mit dem Computerunterricht erst ab dieser Woche.
Dienstag und Freitag nutzte ich meine freie Zeit, um mit Stuart nach Mzuzu zu fahren. Mzuzu ist die nächstgrößere Stadt, in die man mit dem Taxi für weniger als einen Euro kommt. Dort kann man wirklich fast alles außer Schwarzbrot kaufen. (Und auch super feiern) Erster Stop: Immigration Office! Meine 30-tägige Aufenthaltsgenehmigung muss verlängert werden. Einfach ist das leider nicht, da die Officer manchmal einfach nicht so große Lust darauf haben. So wurde das Immigration Office mehr oder weniger zu meinem zweiten Zuhause. Eine Verlängerung meiner Aufenthaltsgenehmigung habe ich bisher noch nicht..
Außerdem musste ich dem Stoffmarkt einen Besuch abstatten. Zwei Stunden habe ich gebraucht, um mich für Stoffe zu entscheiden. Die Taxi-Rückfahrt: zu acht in einem Auto mit fünf Sitzen, von einem Polizisten wurden wir angehalten und gezählt. Fahrer und Polizist verschwanden kurz hinter dem Auto, wenige Minuten später fuhren wir weiter. Zu acht. Korruption ist hier leiderleider ein riesiges Problem..
Meine Stoffe brachte ich dann gleich zu einem mir empfohlenen Schneider in Ekwendeni. Schon am nächsten Tag konnte ich meine maßgeschneiderten Kleider abholen. Ich bin supersuperglücklich damit und würde am liebsten nichts anderes mehr anziehen. ♥
Stuart im Immigration-Office-Rausch
meine Kleider! Angezogen-Bilder folgen bestimmt:):)
Einen freien Nachmittag verbrachte ich in der Bibliothek der Grundschule, an der Stuart Direktor ist. Dort gibt es noch sehr viel zu ordnen und zu sortieren, auch über neue Bücher denken wir nach.
Abendsonne in der Bibliothek
der Hof der Grundschule (unser Haus ist direkt nebenan,quasi hinter dem linken Gebäude)
Am Samstag ging es erneut nach Mzuzu.
Um auf Nora und Elli (Freiwillige aus Chilumba) zu warten, hatte ich mir definitiv den falschen Ort ausgewählt. Am Bus Depot suchte ich mir umrundet von Fahrern, die mir ihre Fahrt anpreisen wollten, ein schattiges Plätzchen. Dort angekommen hatte ich kurz Ruhe. Problematisch und anstrengend wurde dann eher eine ganze Reihe an Heiratsanträgen :D Deshalb war ich sehr froh, als ich in einem ankommenden Minibus Nora und Elli sehen konnte. Logischerweise übte das Immigration Office wieder eine anziehende Wirkung auf uns aus. Nora und Elli konnten ihre Aufenthaltserlaubnis problemlos verlängern. Auch bei mir hätte es diesmal geklappt, wenn der Reisepass am Start gewesen wäre. Vom Immigration Office holten uns zwei weitere deutsche Freiwillige aus Chipunga ab. Sandra und Lea sind schon seit November hier in Malawi und verbringen ihre Wochenenden immer in Mzuzu, weshalb sie sich sehr gut auskennen! Wir waren etwas essen - ich habe die Masala Pommes meines Lebens gegessen - und im Dapp, einem ziemlich coolen Secondhandladen. Überall und an jeder Ecke gibt’s Secondhand-Klamotten aus Europa. Oft sieht man Leute, die T-Shirts mit deutschen Prints tragen. Stuart zum Beispiel hat ein T-Shirt auf dem Ich bin nicht alt, ich bin ein Klassiker steht! Am Abend waren wir mit zwei weiteren Deutschen (hier sind mehr Deutsche, als ich es erwartet hatte) und einigen Leuten von hier feiern. Die Musik unterscheidet sich schon von der in Deutschland, auch getanzt wird anders. Trotzdem, oder eher gerade deshalb, war es wirklich lustig! Da Sandras und Leas Chef eine Lodge in Mzuzu hat, konnten wir dort für wenig Geld übernachten. Nach einem späten Frühstück ging es Sonntagnachmittag auch wieder zurück nach Ekwendeni. Im Taxi versuchte mir ein Mann zu erzählen, dass seine Schwester professionelle Prostituierte in Deutschland ist und er sie nur mit meiner Hilfe besuchen kann. Seinen Heiratsantrag musste ich leider ablehnen und auch sonst können wir keinen weiteren Kontakt haben :D


Schon ging es in die zweite Arbeitswoche! Auf einmal war es schon fast trubelig im Centre. Besonders von den 2nd years (die Ausbildung dauert zwei Jahre, demnach gibt es 1st und 2nd years) waren viele da, die in der ersten Woche gefehlt hatten. Das Unterrichten geht jetzt also endlich los. Zu Beginn habe ich versucht herauszufinden, was die Schüler schon gelernt haben, wo ihre Probleme liegen und wofür sie sich interessieren. Jetzt kann ich langsam mit Wiederholungen und neuen Themen beginnen! Mir macht das Unterrichten großen Spaß, da die Schüler wirklich interessiert sind und etwas lernen wollen. Neben dem Unterrichten findet man auch sonst immer eine Beschäftigung. Sei es Papierkörbe basteln, eine Fahrradtour zum Unterschrift-holen, sich zu den Schneiderinnen setzen und ihnen zusehen oder doch einfach Phase10 spielen. Dieses Spiel ist hier mittlerweile sehr gefragt, manchmal sitzen wir noch bis abends spielend im Büro und vergessen dabei die Zeit. 
daily Sonnenaufgang,die Sonne ist wirklich rot!
Ich sende euch Grüße und Küsse und Sonnenschein ♥

Freitag, 2. September 2016

Frankfurt-Lilongwe-Ekwendeni

Viel Trubel, viel Neues und ein Laptop, das den Flug weniger gut überstanden hat als ich, haben leiderleider zu dieser Verspätung geführt. In den letzten sechs Tagen habe ich so viel gesehen und erlebt wie sonst wahrscheinlich in einem Monat!

Los ging es mit dem eher unspektakulären Flug, der aber schon recht anstrengend war. Dadurch, dass andauernd Licht brannte und/oder Essen gebracht wurde, konnte man kaum schlafen. Die Wartezeit in Addis Abeba verging schneller als gedacht und schon landeten wir in Lilongwe.
in den Sonnenaufgang hinein!
vier Stunden Addis Abeba
Plötzlich wurde man von allen Seiten mit einem Hellohowareyou begrüßt. Das war schon erstmal komisch! Nach fast einer Woche kommt das aber auch bei mir fast automatisch.
Alle Freiwilligen außer Nora, Elli und mir sind schon in ihre Einsatzorte gefahren. Zusammen mit Nora und Elli (die bei einem Onkel vom Freund vom Bruder vom Mentor oder so übernachteten) blieb ich aber noch einige Tage in Lilongwe - wodurch ich zusammen mit meinem Gastpapa nach Ekwendeni fahren konnte. Katharina und Stuart, der coolste Gastpapa überhaupt, haben am Flughafen bereits auf mich gewartet. Auf der Autofahrt zu Katha, die in Lilongwe arbeitet und wohnt, versuchte ich, alle Eindrücke in mich aufzusaugen: Fahrradtaxis, Mango-Straßenverkäufe, Pick-Ups mit Ladeflächen voll Menschen. Frauen, die ALLES auf dem Kopf tragen und fast platzende Minibusse. Angekommen bei Katha wurde erstmal ein wenig Schlaf nachgeholt! Bis ich dann komplett verwirrt nach 6 Stunden um 21.30 Uhr aufgewacht bin und keinen blassen Schimmer hatte, wo ich bin und was ich tue. Nach einem Stück Lasagne wurde der Schlaf wieder aufgenommen. War ja auch dringend nötig, haha.
Nun standen uns zwei Tage Lilongwe bevor. Es ging auf den Markt. Stoffparadies! Habe mir schon meine ersten zwei wunderwunderschönen Chitenche (Stoffe, die man um die Hüfte gewickelt trägt oder sich etwas daraus schneidern lässt) gekauft. Schon jetzt weiß ich, dass sich die Sache mit den Stoffen zu einer Sucht entwickeln wird. Die Stoffe hier sind wirklich alle zu schön. Nach dem Markt besuchten wir das Wildlife Centre, wohin Tiere aus schlechten Lebensumständen gerettet werden. Besonders spektakulär war es allerdings nicht, da wir außer hauptsächlich Affen wenige Tiere zu sehen bekamen.
Am letzten Tag in Lilongwe bin ich alleine in die Stadt gefahren, um mich mit Stuart auf eine Cola zu treffen. Der Weg dorthin war schon ein Abenteuer für sich. Erneut von jedem angequatscht zu werden. Nach Geld gefragt zu werden. Mit 15 weiteren Personen im Minibus zu kuscheln! Das ist eben so, man gewöhnt sich daran.
rush hour
die schönste 'Allee' 
Die Fahrt nach Ekwendeni mit Elli, Nora und Stuart verlief logischerweise genauso. Wobei aus dem Minibus ein „Reisebus“ und aus den 5 Minuten Fahrt 6 Stunden wurden. In den Bus hätte WIRKLICH kein einziger Mensch mehr reingepasst - alle Sitzplätze und Stehplätze und Gepäckplätze waren mehr als nur einfach belegt. Die Frau, die neben mir saß, hatte in der einen Hand ein Kind und in der anderen ein Küken. Normal. Durch die beeindruckende Landschaft gab es auch dauerhaft etwas zu sehen und die Zeit verging schnell. 
Und schon waren wir hier in Ekwendeni. Nora und Elli wurden bald vom ihrem Mentor abgeholt, um nach Chilumba (ihr Projektort) zu fahren. Für mich hieß es das erste Mal mit den Händen essen. Das erste Mal Nsima! Nsima ist Maisbrei, den es zu fast jeder Mahlzeit, mindestens einmal täglich, mit verschiedenen Beilagen gibt. Bin jetzt schon ein Fan davon! Auch das Essen mit den Händen klappt immer besser :D Allgemein muss ich auf einiges verzichten. Mit einer warmen Dusche und einer richtigen Toilette sieht es hier nunmal schlecht aus. War zwar schon eine ziemliche Umstellung, ging aber wirklich schnell. Denn wenn man draußen beim Zähneputzen die Milchstraße sieht, ist das plötzlich ganz egal. 

In den letzten Tagen war auch schon viel los: gefühlt jedem im Ort vorgestellt werden. Versuchen, sich halbwegs in Ekwendeni zu orientieren (wird bei meinem Orientierungssinn leider schwer) und sich wichtige Orte zu merken. Bible Studies. Probe für die morgige Hochzeit. Darauf bin ich schon so gespannt! Gestern bin ich mit Stuart auf seinem Motorbike zu seiner Familie gefahren, da er mir ein typical african village zeigen wollte. Das war es dann auch wirklich. Dort habe ich mich zudem wie die Hauptattraktion schlechthin gefühlt. Schon von weitem haben alle Kinder MZUNGU! MZUNGU! (Weißer) gerufen. Später aber haben sie mich, oder wohl eher meine Kamera, plötzlich sehr geliebt :D Ich durfte gar nicht mehr aufhören, sie zu fotografieren! Auf dem Rückweg haben wir noch Stopps an einem riesigen Tomatenfeld, einer Macadamiaplantage und einem Paprikafeld eingelegt. Das war schon ziemlich beeindruckend.  
Mir geht’s hier also echt richtig gut und ich bin sehr zufrieden mit allem. Soviel ersteinmal zu meinen ersten Tagen hier! Tiwonanenge. ♥(wir sehen uns bald)

JBC,Stuart,ich und Matthews (nennen wir es wichtige Menschen vom Centre)
Staudamm bei der Macadamiaplantage. wunderwunderbare Berge am Horizont
pure Begeisterung! (siehe Kinder im Hintergrund)
mit Stuarts Onkel & den Kindern
Stuart,Onkel&Kinder im Dorf 
mein Zimmer in der Morgensonne